Kugeldrehverbindungen

Wenn Präzisionslager Kunst bewegen

Lagertechnik wirkt meist im Verborgenen. Sie ist Teil von Maschinen und Anlagen, die zuverlässig funktionieren, ohne selbst sichtbar zu werden. In diesem Anwendungsfall ist das anders: Kugeldrehverbindungen von Rodriguez treiben eine großformatige Kunstinstallation an, in der riesige Garnrollen ein Seil flechten. So wird Präzisionstechnik nicht nur zur funktionalen Grundlage, sondern zum sichtbaren Bestandteil des Kunstwerks.

Der gebürtige Londoner Conrad Shawcross RA ist ein britischer Künstler, der sich auf mechanische Skulpturen spezialisiert hat, die auf philosophischen und wissenschaftlichen Ideen basieren. „The Nervous System (UMBILICAL)“ ist sein bisher ambitioniertestes Seilkunstwerk. „Umbilical“ bedeutet „Nabelschnur“ und besteht aus 40 ineinandergreifenden Armen, die nach und nach ein Seil in einer sich nie wiederholenden Abfolge von Bahnen verwebt. Die Installation war 2025 in London als Teil von Shawcross‘ Serie „Rope Makers“ (dt. Seilmacher) zu sehen. Mittlerweile ist sie dauerhaft im Museum of Old and New Art (MONA) in Hobart, Tasmanien/Australien, ausgestellt. 

Mit einer Höhe von zehn Metern und einem Durchmesser von 12 Metern ist das Werk in seiner Größe und Komplexität monumental und stellt eine außergewöhnliche Leistung dar, sowohl im künstlerischen als auch im technischen Bereich. Wie Shawcross erklärt, bildet das Werk die Bewegungen unseres Sonnensystems ab: „Die rotierenden Spulen beziehen sich auf die Abweichung der Planeten, die unsere Sonne innerhalb einer Galaxie umkreisen, die sich im Laufe der Jahrtausende während ihrer Drehung abflacht und ausdehnt. Das durch die Mitte gezogene Seil erinnert an die Reise der Sonne durch die Galaxie, die sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit fortbewegt, begleitet von ihren Planeten und 891 Monden auf ihren spiralförmigen Bahnen.“ 

Sichtbare Ingenieurskunst: Das mechanische Design 

Die künstlerische Vision ist das eine – die tatsächliche Umsetzung in ein bewegliches Kunstwerk das andere. Damit die gigantischen Garnrollen rotieren und die Fäden zu einem scheinbar unendlichen Seil verweben können, braucht es zum einen jemanden, der den Bewegungsablauf konstruktiv umsetzen kann und zum anderen jemanden, der die dahintersteckende Mechanik bzw. die präzise Bewegung ermöglicht.  

Als Schnittstelle zwischen Kunst und Technik fungierte hier das britische Ingenieurbüro Brier Solutions Limited, das sich auf die Entwicklung und Konstruktion von Sondermaschinen und technischen Anlagen spezialisiert hat. Die Ingenieure validierten und analysierten die Vorstellungen von Shawcross, prüften die technische Umsetzbarkeit und entwickelten ein mechanisches Designkonzept für das Kunstwerk. 

Entscheidend für die Realisation war schließlich, eine effektive Antriebslösung für die einzelnen Bauelemente zu finden, denn die koordinierte Bewegung steht im Zentrum der Installation – das Kunstwerk steht nie still, die Arme sollen sich kontinuierlich, reibungslos und zuverlässig bewegen. Brier Solutions nutzte hierbei seine Kontakte zur Firma R.A. Rodriguez UK (Ltd.), ein seit 1968 etablierter britischer Lieferant und Vertreiber von Präzisionsbauteilen.  

Rodriguez UK holte wiederum seinen strategischen Partner ins Boot, die deutsche Rodriguez GmbH aus Eschweiler – Experten in Sachen Lagertechnik und bekannt für Sonderanfertigungen und schnelle Lieferung. Produktmanager Martin Stremmel spricht von einer großen Herausforderung: „So ein außergewöhnliches Projekt beliefern wir selten. Aber genau das ist das Interessante. Hier konnten wir erneut zeigen, dass wir wirklich flexibel auch auf ungewöhnliche Wünsche von Kunden und Begebenheiten vor Ort eingehen können. Für nahezu jede Anwendung finden wir die passende Lösung.“ Auch der Künstler Shawcross zeigt sich beeindruckt von der technischen Umsetzung: „Rodriguez hat mit seinen Lösungen neue Maßstäbe gesetzt und diesem Projekt den entscheidenden Impuls gegeben.“ 

Anders als bei den meisten herkömmlichen Industrieanwendungen wird bei dieser Maschine nicht versteckt, wie die Bewegung entsteht – die Antriebstechnik ist tatsächlich sichtbar und erlebbar. So bezeichnet Mat Braithwaite, Geschäftsführer von Brier Solutions, das Projekt als „fantastische Gelegenheit für Rodriguez und auch uns, konstruktiv ausgefeilte Produkte für alle sichtbar zu präsentieren. Großartige Ingenieurskunst ist sonst eher der heimliche Held, der im Hintergrund still und leise seine Arbeit verrichtet.“

Der richtige Dreh 

Die Umbilical-„Maschine“ ist ganzjährig kontinuierlich und gleichmäßig in Bewegung und wird lediglich einmal pro Jahr für einen Spulenwechsel angehalten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an den Antrieb: Er soll dauerhaft zuverlässig und reibungslos arbeiten sowie zugleich hohe Präzision und Tragfähigkeit gewährleisten, denn die Lagerung muss großen Axial- und Radialkräften ebenso standhalten wie Dreh- und Kippmomenten. 

Für das außergewöhnliche Kunstprojekt lieferten die Präzisionslager-Spezialisten insgesamt 44 maßgeschneiderte Drehverbindungen in unterschiedlichen Größen. Kugeldrehverbindungen sind für solche Anwendungen besonders geeignet, weil sie hohe Lasten aufnehmen und gleichzeitig präzise Bewegungen ermöglichen. Daher werden sie häufig in anspruchsvollen Bereichen eingesetzt, etwa in Bau- und Werkzeugmaschinen, Kranen, der Automation, Robotik, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder in Windenergieanlagen. 

Ausschlaggebend war darüber hinaus die Stärke von Rodriguez bei kundenspezifischen Sonderlösungen. Auch beim „Nervous System – Umbilical“ handelt es sich um eine Sondermaschine, die speziell nach Kundenwunsch konstruiert und gefertigt wurde. Neben einem breiten Sortiment bietet Rodriguez außerdem vor allem technische Expertise, langjährige Erfahrung von der Entwicklung bis zur Montage und eine hohe Liefergeschwindigkeit. 

Spezialität: Sonderanfertigungen 

Öffentlichkeitswirksame Anwendungen wie diese sind für Kugeldrehverbindungen eher die Ausnahme. Grundsätzlich eröffnen neue Konstruktionsansätze und optimierte Fertigungsverfahren Konstrukteuren jedoch zusätzliche Möglichkeiten für innovative Lösungen. Kugeldrehverbindungen von Rodriguez lassen sich einfach montieren und eignen sich besonders für hochpräzise Anwendungen. Darüber hinaus liefert Rodriguez kundenspezifische Kugeldrehverbindungen für spezielle Einsatzfälle und entwickelt auf Basis von Standardkomponenten auch individuelle Systemlösungen im Rahmen von Value Added Products (VAP). 

Rodriguez kann auf über 50 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Lagern zurückgreifen und beliefert eine Vielzahl von internationalen Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Zum Lagerportfolio zählen einreihige, zweireihige und dreireihige Kugel- und Rollendrehverbindungen sowie Kreuzrollenlager. Die Kugeldrehverbindungen sind in verschiedenen Wälzkörperkonfigurationen mit Innen- oder Außenverzahnung oder auch unverzahnt lieferbar. Korrosionsgeschützte Lager oder kundenspezifische Sonderausführungen nach Maß liefert Rodriguez jederzeit kurzfristig. „Unsere Kernkompetenz sind Lösungen jenseits des Standards. Wir entwickeln individuelle Antriebskomponenten und fertigen auch selbst. Der Eigenfertigungsanteil beträgt inzwischen über 50 Prozent und soll noch weiter ausgebaut werden,“ betont Produktmanager Martin Stremmel abschließend. 

Autorin: Nicole Dahlen, Geschäftsführerin Rodriguez GmbH 

Kontakt: Ina Pollei, Julia Hartung 

Ernst-Abbe-Str. 20
52249 Eschweiler
DEUTSCHLAND
Teilen