Planetengetriebe

Für mobile Lastenroboter

Für mobile Lastenroboter

Mit seinen mobilen Lastenrobotern hat sich das französische Robotik-Start-up JNOV TECH erstaunlich schnell am Markt etabliert. Ein Grund für diesen Erfolg ist die aktuelle Neuentwicklung CMR. Mehrere Fahrzeuge arbeiten hier als Kollektiv zusammen – angetrieben durch anwendungsspezifische Planetengetriebe des deutschen Herstellers Neugart.

Die Neuentwicklung CMR (Collaborative Mobile Robot) des französischen Robotik-Start-ups JNOV TECH sieht auf den ersten Blick aus wie ein etwas zu groß geratener Saugroboter. Doch die nur etwa langspielplattengroßen Module können Lasten bis 8 t bewegen. Und nicht nur das: Es arbeiten immer mehrere einzelne CMR-Fahrzeuge kollektiv zusammen, um im Verbund große, komplexe Lasten zu bewegen. Sie sind in vier Baugrößen und in vier Leistungsklassen mit maximalen Traglasten zwischen 1 und 8 t verfügbar. Bis zu vier Fahrzeuge können gemeinsam eine Last transportieren. Schaltet man also vier CMRs zusammen, ergibt sich eine Gesamt-Traglast von bis zu 32 t.

Hinter den mobilen Lastenrobotern steht das französische Start-up JNOV TECH. Das Unternehmen mit Sitz in Toulouse wurde erst 2018 gegründet und beschäftigt heute zehn Mitarbeiter bei einem Umsatz von 1 Mio. Euro im ersten Jahr der Markteinführung.

Getriebetechnische Anforderungen

Jedes CMR wird von zwei großen Antriebsrädern bewegt. Pro Antriebsrad kommt je ein Getriebe zum Einsatz, pro Fahrzeug sind es also zwei. Diese müssen – wie auch bei anderen Fahrerlosen Transportfahrzeugen (Automated Guided Vehicles, AGVs) – ganz eigene, hohe Anforderungen an Konstruktion und Mechanik erfüllen: Da das Getriebe direkt im Rad sitzt, wirkt je nach Fahrwerksprinzip das gesamte Gewicht aus Fahrzeug und Zuladung direkt auf die Abtriebslager des Getriebes. Die Folge sind hohe Radiallasten. Darüber hinaus erfordern die naturgemäß engen Platzverhältnisse im Fahrzeug eine besonders kompakte, platzsparende Bauform des Getriebes.

Diese besonderen Anforderungen lassen sich hervorragend mit Planetengetrieben erfüllen, da diese Zuverlässigkeit und Effizienz auf kleinem Raum verbinden: Der bewährte Getriebetyp zeichnet sich durch einen sehr hohen Wirkungsgrad aus. Dadurch verringert sich die Wärmeentwicklung und die Effizienz des Fahrzeugs steigt. Mit der Baureihe NGV hat Neugart ein Planetengetriebemodell im Portfolio, das mit seinen Produktmerkmalen ganz gezielt auf den Einsatz in AGVs zugeschnitten ist. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Lager: Sie sind so ausgeführt und platziert, dass sie am Abtrieb hohe Radiallasten erlauben.

Getriebelösung von Neugart

So stand das NGV zunächst auch als mögliche Lösung im Raum, als JNOV TECH auf der Suche nach einem geeigneten Getriebe Anfang 2020 erstmals auf Neugart zukam. Zu diesem Zeitpunkt war bei JNOV TECH bereits die generelle Entscheidung für ein Planetengetriebe gefallen. Versuche hatten gezeigt, dass diese Bauform im konkreten Anwendungsfall kostengünstiger und leistungsfähiger ist als zum Beispiel ein Well- oder Zykloid-Getriebe. „Wir haben zuvor ein Scoring mit vielen Kriterien wie Preisniveau, Kompaktheit, Leistung, Support, Qualität etc. für über zehn Lieferanten durchgeführt und Neugart kam in die engere Wahl“, blickt Nicolas Dupeyron, Gründer und Geschäftsführer von JNOV TECH, zurück.

Mit wenigen Klicks waren dank des Neugart-Konfigurationstools Tec Data Finder alle relevanten technischen Daten und 3D-Modelle des NGV zur Hand. Erste Produktmuster waren wenige Wochen später verfügbar und für Praxisversuche einsatzbereit. Dabei stellte sich heraus, dass die besonderen technischen Ansprüche von JNOV TECH in Bezug auf eine sehr kompakte Bauform mit dem NGV-Standardmodell nicht 100-prozentig zu erfüllen waren.

Gefragt war also eine speziell auf das Layout der CMRs zugeschnittene Modifizierung des NGV-Getriebes. Dabei wurde der Motor ohne Adapter direkt an das Getriebe gebaut (Motor-Direkt-Anbau, MDA). Durch den Wegfall des Motoradapters ließ sich die Baulänge entsprechend reduzieren. Zudem wurde das Lagerungskonzept so geändert, dass das Getriebe noch weiter im Radkörper platziert werden konnte. Dadurch steht mehr Raum im Fahrzeug zur Verfügung, um die eingebaute Hebevorrichtung und die Batterie optimal unterzubringen.

Enge Zusammenarbeit

In nur elf Monaten hat JNOV TECH das CMR zur Marktreife gebracht. Fast nebenbei fiel dabei auch noch die Entscheidung für ein weiteres Getriebe, nämlich für die Hebevorrichtung der Fahrzeuge. Die ideale Lösung war hier ein Standardgetriebe aus der ebenso zuverlässigen wie kostengünstigen Economy-Baureihe von Neugart.

Und die gemeinsame Reise von JNOV TECH und Neugart ist noch nicht zu Ende, so die Einschätzung von Geschäftsführer Nicolas Dupeyron: „Die Teams von Neugart haben aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit immer die beste Lösung für unsere Bedürfnisse gefunden. Wir sind zuversichtlich, dass Neugart auch in Zukunft das beste Unternehmen sein wird, um uns bei der Entwicklung von JNOV TECH zu unterstützen.“

Teilen
Neugart Zahnstangenantriebe September Oktober 2022