Motoren

Zweites Leben für aufbereitete Getriebemotoren

Das Innere von Elektromotoren besteht zu einem hohen Anteil aus gefragten Metallen wie Kupfer, Aluminium und Seltenen Erden wie Neodym. Materialien, deren Rückgewinnung zunehmend wichtiger wird.

Angesichts wachsender Ressourcenknappheit und steigender Preise sind Lösungen gefragt, die bestehende Abhängigkeiten verringern. Ein aktuelles Beispiel für die Verknappung von Komponenten und Rohstoffen ist der steigende Chipmangel, der zu Produktionsausfällen und Verzögerungen führt. Inzwischen sind auch Standardkomponenten betroffen, wie sie für die Herstellung von Solarpanelen und vielen anderen Elektronikprodukten gebraucht werden. Laut ifo Institut hat die Materialknappheit bei den Herstellern von elektronischen und optischen Produkten im Oktober zugenommen.

In einer aktuellen Umfrage des Instituts meldeten 10,4 Prozent der befragten Unternehmen Engpässe – nach nur 7,0 Prozent im Juli und 3,8 Prozent im April. Kontrollmechanismen und Handelsbeschränkungen, z. B. für Seltene Erden, führen zu weiterer Verknappung und höheren Kosten. Die chinesische Regierung hat Exportbeschränkungen verfügt, die inzwischen zwölf von siebzehn verschiedenen strategisch wichtigen Elementen betreffen und weltweit Auswirkungen haben. Im dritten Quartal sprangen die Dollarpreise für diese chemischen Elemente im Vergleich zum Vorquartal im Schnitt um 8,2 Prozent (Quelle: Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), aktueller monatlicher Rohstoffpreisindex). Unsichere Lieferketten durch fragile geopolitische Entwicklungen tun ein Übriges, um die Lage zu verschärfen. So ist es nicht nur eine Frage von Nachhaltigkeit und verantwortlichem Umgang mit Ressourcen, auf das professionelle Aufbereiten und Weiterverkaufen gebrauchter Elektromotoren zu setzen.

Rücknahmeprogramm seit vielen Jahren

„Der Ansatz ist für uns nicht neu“, berichtet Rolf Treusch, Geschäftsführer beim Bremerhavener Kleinmotorenhersteller Rotek. „Wir arbeiten schon lange mit einem Großkunden zusammen und bereiten unsere Motoren erfolgreich wieder auf.“

Angefangen hat es bei einem Kunden aus der Heizungstechnik, der die Robase Motoren mit Stirnradgetriebe in großen Mengen bezieht. Er ist einer der Top-Kunden mit Bedarfen von in der Spitze bis zu mehreren 1000 Motoren im Jahr. Der Auslöser war, dass die Bremerhavener im Rahmen einer Produktverbesserung Motoren, die der Kundendienst ausgetauscht hatte, überarbeitet und optimiert hatten. „So, und bei der Gelegenheit haben wir sie auch gleich runderneuert“, Rolf Treusch weiter.

Der Kunde hat sie dann zurückbekommen. Ursprünglich als Serviceleistung angeboten, wird die Wiederaufbereitung inzwischen als Dienstleistung berechnet. Der Kunde zahlt dann für diese Motoren einen deutlich günstigeren Preis. Er selbst verkauft sie als wiederaufbereitete Motoren, also nicht als neuwertige, sondern als runderneuerte. Gemeinsam mit diesem Hauptkunden haben die Bremerhavener deshalb schon vor vielen Jahren ein Rücknahmeprogramm gestartet. Seitdem sammelt der Kundendienst die Motoren und sendet sie einmal im Jahr an Rotek zurück. Die Lieferung wird dann gesammelt überarbeitet.

Wie läuft das Remanufacturing-Verfahren ab?

In der Fertigung werden die Motoren bei Eingang umfassend getestet und dann mechanisch demontiert. Die Verschleißteile, das sind in erster Linie Kugellager und Kondensatoren, werden ausgetauscht. Sind augenscheinliche Beschädigungen vorhanden, werden sie beseitigt. Dann werden alle Komponenten kontrolliert, beispielsweise ob die Verzahnung im Getriebe noch in Ordnung ist. Die wieder zusammengebaute Antriebseinheit wird einer gründlichen Abschlussprüfung unterzogen, um eine neuwertige Qualität und Funktionalität sicherzustellen. Die Motoren sind technisch einwandfrei, weisen jedoch Gebrauchsspuren auf. Dieses Verfahren hat sich bewährt.

Nahezu alle Motorkomponenten, wie z. B. Kupferwicklungen und Magnete, lassen sich wieder verwenden. Lediglich die wenigen ausgetauschten Verschleißteile werden als Metallabfälle entsorgt. Es findet keine chemische oder physikalische Aufbereitung statt. Sowohl Kupfer, die Kupferwicklung, als auch die Magnete sind üblicherweise in Ordnung.

Motoren Recycling lohnt sich mehrfach

Das Motoren Recycling ist bei Rotek aus rein technischen Erwägungen entstanden. Ursprünglich als Kundenservice zum Selbstkostenpreis gestartet, ist das Refurbishment inzwischen ein profitables Geschäftsfeld für alle Beteiligten geworden. Gerade für die größeren Kunden zahlt sich es sich aus, wenn sie die Möglichkeit haben, die Motoren am Ende der Lebensdauer von ihren Kunden wieder zu einzusammeln und zur Wiederaufbereitung weiter zu geben.

Für die Kunden hat es den Vorteil, dass sie technisch neuwertige Motoren, die aber Gebrauchsspuren aufweisen, zu einem vergleichsweise günstigen Preis erwerben können. Und die dann auch so weiterverkaufen. Ein Antrieb muss nicht unbedingt immer fabrikneu sein, um seine Aufgaben zu erfüllen.

Für Rotek lohnt sich das Wiederaufbereiten aus zwei Gründen: Das Unternehmen reduziert den Verbrauch von Rohstoffen und Energie erheblich, da zentrale Bauteile wie Stator, Rotor und Gehäuse weiterverwendet werden können. Für die Umwelt ist jeder Motor, der nicht gebaut werden muss, eine Entlastung. Ein Aspekt von Nachhaltigkeit ist für Rotek ein langlebiges Produkt von hoher Qualität: Gleichzeitig liefern die zurückgesendeten Motoren wertvolle Erkenntnisse. „Viele sind über zehn Jahre im Einsatz gewesen und ihre Analyse hilft, unsere Produkte noch langlebiger zu bauen. Das bringt nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch einen direkten Nutzen für unsere Kunden“, führt Rolf Treusch aus.

Das Rücknahmeprogramm besteht bisher nur für einen Kunden und nur für Motoren mit selbst gebautem Stirnradgetriebe. Es gibt aber auch hin und wieder Motoren, die zur Reparatur eingeschickt werden. In Bremerhaven setzt man sie nach einem Kostenvoranschlag wieder instand. Die Möglichkeit der Motorenrücknahme und Wiederaufbereitung möchte Rotek in Zukunft ausbauen. Zurzeit betrachtet man es als Pilotprojekt, das später anderen Kunden angeboten werden soll.

Motoren Recycling als Schritt zur Unabhängigkeit

Recycling und die Wiederverwendung von Rohstoffen und Bauteilen ist besonders für die Motoren der Rosync und Romotion Serie sinnvoll, in denen Neodym Magnete eingesetzt werden. Die Handelssituation auf dem Weltmarkt führt auch bei Rotek zu einer schwierigen Beschaffungslage. Rolf Treusch: „Wir haben zwei Lieferanten für Neodym Magnete und der eine hat aufgrund der Handelsbeschränkung schon die Lieferungen eingestellt.“ Das zeigt, dass es strategisch wichtig ist, das wertvolle Magnetmaterial aus alten Motoren wieder zu verwenden. Gleichzeitig hat Rotek auch in diesem Bereich vorgesorgt und für mehrere Jahre Lagerbestand aufgebaut. Zusätzlich arbeitet man insbesondere beim Romotion zurzeit an einer Lösung mit anderen Magnetmaterialien, um unabhängig von China und seinem Monopol an bestimmten Rohstoffen zu sein.

Erster Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft

In den nächsten ein bis zwei Jahren möchte Rotek diesen Bereich deutlich forcieren und seinen Großkunden als generelles Geschäftsmodell anbieten. Parallel dazu arbeitet der Bremerhavener Hersteller mit seinem Partner IMS Gear an einer Zusammenarbeit. IMS Gear liefert für Rotek Motoren die Planetengetriebe, die in großen Stückzahlen eingesetzt werden. Noch gibt es dieses Programm nicht für alle Baureihen. Das Refurbishment-Programm für Getriebe umfasst bisher nur die etwas größeren Bauserien und befindet sich in der Pilotphase. Sobald man diese auch auf kleine Getriebe ausweitet, möchte man in Zusammenarbeit mit IMS Gear eine generalüberholte Motor-Getriebe-Einheit als eine nachhaltige, gemeinsame Lösung anbieten. Das entspricht auch den Wertvorstellungen von Rotek. Einer der Kernwerte des Unternehmens ist Verantwortung, auch im Hinblick auf zukünftige Generationen: Das Recycling und die Wiederverwendung von Rohstoffen und Bauteilen fördern ressourcenschonendes Handeln und minimieren den ökologischen Fußabdruck. Gleichzeitig verlängert dieses zweite Leben den Produktlebenszyklus und ist ein erster Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft.

Coloradostr. 11+13
27580 Bremerhaven
DEUTSCHLAND
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