Künstliche Intelligenz
„Chancen und Grenzen von KI in der Produktentwicklung“
Künstliche Intelligenz, Datenanalyse und innovative Softwarelösungen verändern die industrielle Produktentwicklung. Im Gespräch erläutert Torsten Blankenburg, Technischer Vorstand der Sieb&Meyer AG, wie das Unternehmen KI gezielt einsetzt, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen, Know-how zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Umfeld zu stärken.
Bei Sieb&Meyer setzen Sie verstärkt auf neue Technologien. In welchen Bereichen sehen Sie derzeit die größten Potenziale für den Einsatz von KI oder ähnlichen Systemen?
Momentan sehen wir den größten Impact eindeutig im Bereich der Entwicklung. Gerade hier stehen wir vor großen Herausforderungen – etwa durch den demografischen Wandel. Wissen geht verloren, und wir müssen sicherstellen, dass neue, junge Mitarbeiter Zugang zu diesem Know-how bekommen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Softwareentwicklung. KI-Systeme können den Entwicklungsprozess erheblich beschleunigen, indem sie aus Erfahrungen und bestehenden Daten lernen. Das ist besonders wichtig, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, obwohl oftmals eine große räumliche Distanz zum Endkunden besteht – beispielsweise im Fall unseres starken China-Geschäftes. Chinesische Wettbewerber haben den Vorteil der lokalen Nähe. Wir können nur durch stabile und zuverlässige Lösungen kompensieren.
Sie sprechen von Stabilität und Sicherheit. Wie wirkt sich das auf den Entwicklungsprozess aus?
Die Sicherheit der Prozesse hat höchste Priorität. Ein kleiner Fehler, zum Beispiel beim Bohren von Leiterplatten, kann die gesamte Charge, z.B. von sehr teuren Leiterplatten für KI-Servern, zerstören. Deshalb müssen wir unsere Entwicklungsprozesse schneller und gleichzeitig sicherer machen. Das kommt letztlich auch dem Kunden zugute, weil wir dadurch Performance, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit erhöhen.
Und inwiefern beeinflusst KI Ihre Produktentwicklung konkret?
Wir nutzen KI bisher als unterstützendes Tool – nicht als Bestandteil unserer Produktserie. Wir prüfen, wie die Technologie den Entwicklungsprozess beschleunigen kann. Bei KI basierten Funktionen in unseren Produkten stoßen wir aktuell leider noch schnell auf Grenzen: Unsere Datenbasis ist oft noch zu klein, um nachhaltige, stabile Ergebnisse zu erzielen. Wenn wir nur 40 % zuverlässige Vorhersagen treffen, bringt das keinen Mehrwert für den Kunden. Wir streben Werte von 70 – 80 % oder höher an, bevor wir solche Funktionen einsetzen.
Wie gehen Sie mit der Einführung solcher Technologien innerhalb des Unternehmens um?
Es ist entscheidend, die Mitarbeiter mitzunehmen. Der Impuls für die Nutzung von KI kommt häufig von jungen Kollegen, die bereits Erfahrung mit diesen Tools haben und diese als selbstverständlich ansehen. Wir fördern diese Eigeninitiative, geben Freiräume und Mittel und blockieren sie nicht. Es geht darum, die Belegschaft zu befähigen, neue Technologien zu nutzen, ohne dass die Produktivität darunter leidet.
Sie geben also Ressourcen frei, erwarten aber nicht sofortige Produktivität?
Genau. Zu Beginn wird die Effizienz vielleicht noch nicht maximal sein, aber langfristig verschafft uns diese Herangehensweise einen Wissensvorsprung. Die Tools unterstützen den Aufbau von Know-how und helfen uns, Innovationen nachhaltiger umzusetzen.






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