Doppelkufensystem

Maximale Flexibilität

Framo Morat integriert eine kundenspezifische Antriebslösung in das innovative Doppelkufensystem von Filics zum effektiven Palettentransport. 

Autonome mobile Roboter (AMR) und fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind ein zentraler Bestandteil moderner Intralogistikkonzepte. Steigende Variantenvielfalt, kürzere Durchlaufzeiten und der zunehmende Flächendruck erhöhen den Bedarf an flexiblen, skalierbaren Automatisierungslösungen. Neben standardisierten Fahrzeugplattformen gewinnen insbesondere kundenspezifische Systeme an Bedeutung - vor allem dann, wenn neue Materialflusskonzepte realisiert werden sollen. Framo Morat bringt hierfür seine jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung individueller Antriebssysteme ein. Ein aktuelles Beispiel ist ein hochintegrierter, kundenspezifischer Fahrantrieb für das neuartige Doppelkufensystem des Intralogistik-Start-ups Filics. 

Palettentransport neu denken 

Mit dem Doppelkufensystem verfolgt Filics einen innovativen Ansatz für den innerbetrieblichen Transport von Europaletten und ähnlichen Ladungsträgern. Während herkömmliche FTS- und AMR-Konzepte in der Regel Platz für Wendemanöver, Rangierflächen und Sicherheitsabstände benötigen, wurde das Filics-System konsequent auf maximale Flächeneffizienz ausgelegt. Ziel von Filics ist es, den automatisierten Palettentransport auf das allernötigste zu reduzieren: zwei flache Kufen. 

Die sogenannte Filics Unit besteht aus zwei unabhängig voneinander agierenden Fahreinheiten, die eine Palette direkt vom Boden aufnehmen und sich exakt unter ihr positionieren. Das Fahrzeug verschwindet damit funktional und optisch fast vollständig unter der Last. Für den Transport wird nur so viel Raum benötigt, wie die Palette selbst beansprucht. Dies ermöglicht einen Materialfluss auch in sehr engen Lager- und Produktionsbereichen, in denen klassische Fahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Bei kurzen Transportstrecken von etwa 10 Metern kann sich der Flächenbedarf im Vergleich zu klassischen Flurförderfahrzeugen um bis zu 50 Prozent reduzieren. 

Omnidirektional, wendekreisfrei und hochflexibel 

Ein zentrales Merkmal des Systems ist der omnidirektionale Antrieb. Die Filics Unit kann sich in jede Richtung bewegen, drehen oder seitlich versetzen, ohne zusätzliche Fahrmanöver durchführen zu müssen. Dadurch entfallen zeit- und platzintensive Wendemanöver vollständig. Die Bewegungen sind präzise steuerbar und lassen sich individuell an unterschiedliche Layouts und Prozessanforderungen anpassen. 

Diese Bewegungsfreiheit bildet die Grundlage für eine hohe Systemflexibilität. Die Filics Unit kann nicht nur Paletten transportieren, sondern sich auch dynamisch an wechselnde Materialflüsse anpassen. Dadurch eignet sich das System sowohl für klassische Lageranwendungen als auch für den Einsatz in der Produktion, beispielsweise zur Linienver- oder -entsorgung.  

Durchfahren als Alleinstellung 

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des Filics-Systems ist die Fähigkeit, Ladungsträger zu durchfahren. Die beiden Fahreinheiten können Paletten an den kurzen Seiten unterfahren und wieder verlassen, wodurch das System Paletten aktiv „durchdringt“, anstatt sie nur von außen zu bewegen. 

Diese Eigenschaft eröffnet neue Möglichkeiten in der Automatisierung: Bodenblocklager lassen sich ohne zusätzliche Fördertechnik, Übergabestationen oder feste Fahrgassen automatisieren, und auch FiFo-Puffer können direkt mit autonomen Fahrzeugen bedient werden. Gleichzeitig steigt die Stellplatzkapazität, da der verfügbare Raum effizienter genutzt wird. 

Maßgeschneiderter Fahrantrieb  

Das innovative Fahrzeugkonzept stellte außergewöhnlich hohe Anforderungen an den eingesetzten Fahrantrieb. Hierzu zählen die kompakte Bauweise bei gleichzeitig hoher Leistungsdichte, eine feinfühlige Regelbarkeit sowie eine robuste Auslegung für den industriellen Dauerbetrieb. Hinzu kamen hohe mechanische Belastungen und die Notwendigkeit einer nahtlosen Integration in die Gesamtfahrzeugarchitektur. 

Der Fahrantrieb musste nicht nur die reine Fahrbewegung ermöglichen, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur Gesamtperformance des Systems leisten. Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Effizienz waren dabei ebenso wichtig wie die Möglichkeit, den Antrieb exakt auf die Anforderungen der Anwendung abzustimmen. 

Radnabengetriebe als technologische Basis 

Framo Morat konnte bei der Entwicklung auf seine bewährte Radnabengetriebe-Plattform zurückgreifen, die speziell für mobile Anwendungen wie FTS und AMR entwickelt wurde. Die Plattform umfasst die Baureihen NG250, NG500 und NG750 in ein- oder zweistufiger Ausführung. Allen gemeinsam sind eine kompakte Bauweise, eine hohe Leistungsdichte sowie die Integration des Getriebes direkt in die Radnabe. 

Dadurch entfallen zusätzliche Übertragungselemente wie Ketten, Riemen oder externe Getriebe. Das spart Bauraum, reduziert die Anzahl der Bauteile und erhöht die Gesamteffizienz des Fahrzeugs. Je nach Baureihe lassen sich unterschiedliche Fahrzeuggewichte und Einsatzprofile realisieren – von leichten Transportaufgaben bis hin zu hochbelastbaren Fahranwendungen. 

Für das Filics-Projekt dienten die NG-Radnabengetriebe als Basis, wurden jedoch kundenspezifisch gezielt weiterentwickelt. Übersetzungen, Lagerkonzepte, Schnittstellen sowie die Integration in die Fahrzeugstruktur wurden auf die Anforderungen des Doppelkufensystems abgestimmt. Dabei flossen spezifische Lastfälle und Bewegungsprofile in die Auslegung ein. In enger Zusammenarbeit von Filics und Framo Morat entstand so ein leistungsstarker, ultra-kompakter Fahrantrieb, der in das Gesamtsystem integriert ist. In der ersten Systemgeneration ermöglichen die Fahrantriebe ein Gesamthubgewicht bis 800 kg und Fahrgeschwindigkeiten bis 1,2 m/s. 

Aus einer Hand 

Neben der Entwicklungskompetenz bringt Framo Morat auch umfassende Erfahrung in der Industrialisierung und Serienfertigung kundenspezifischer Antriebssysteme ein. Der strukturierte Entwicklungsprozess reicht von der Konzeptphase über Simulation, Prototypenbau und Validierung bis hin zur Serienfreigabe. Eine hohe Fertigungstiefe, klar definierte Prozesse und ein konsequentes Qualitätsmanagement gewährleisten dabei reproduzierbare Qualität auch bei komplexen Sonderlösungen. 

Das Projekt mit Filics zeigt exemplarisch, wie modulare Plattformen als Ausgangspunkt für maßgeschneiderte Antriebslösungen dienen können. Framo Morat untermauert damit seine Leistungsfähigkeit als Entwicklungspartner für anspruchsvolle mobile Anwendungen – von der ersten Idee bis zur Serienproduktion. Der Entwicklungspfad endet jedoch nicht mit dem Serienstart – weitere Ausbaustufen des Doppelkufensystems sind bereits in der Pipeline, vom Nachschieben von Palettenreihen bis hin zur vollautonomen Be- und Entladung von Lkw. 

Autor: Stefan Federer, Leitung Marketing & Unternehmenskommunikation, Framo-Morat 

Bilder: Filics, Framo-Morat 

Franz-Morat-Str. 6
79871 Eisenbach
DEUTSCHLAND
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